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Bevor du liest

Vollständige Spoiler-Warnung. Dieser Artikel behandelt die gesamte Geschichte des Hauptspiels und ab Teil 8 auch Shadow of the Erdtree. Wer die Erweiterung selbst entdecken möchte, sollte nach Teil 7 aufhören.

Zur Methode. Elden Ring erzählt seine Geschichte fast ausschließlich über Gegenstandsbeschreibungen, die Umgebung selbst und eine Handvoll Gespräche. Manches davon ist gesichert, manches ist weithin geteilte Deutung, und manches ist tatsächlich ungeklärt. Dieser Text liest sich als durchgehende Erzählung, sagt aber dazu, wo ein Punkt umstritten ist.

Inhalt

Teil 1: Vor dem goldenen Baum

Bevor irgendetwas Goldenes über den Zwischenlanden stand, gab es den Schmelztiegel.

Der Schmelztiegel war die ursprüngliche Form allen Lebens, ein unsortierter, wuchernder Zustand, in dem noch nichts in die säuberlichen Kategorien getrennt war, die später kamen. Pflanze und Tier, Mensch und Bestie, Fleisch und Baum gingen ineinander über. Was aus dem Schmelztiegel geboren wurde, trug Hörner, Flügel, Schwänze, manchmal Augen an Stellen, an die keine Augen gehören. Für die Ordnung, die danach kam, wurde all das zum Merkmal der Unreinheit. Damals war es schlicht die Natur der Dinge.

Über diese Welt herrschten die uralten Drachen. Sie waren keine Tiere, sondern etwas Älteres: Wesen mit steinerner Haut, deren Körper aus Blitz und Fels bestanden und die eine eigene Ordnung aufrechterhielten. Ihr Sitz war Farum Azula, eine Stadt, die am Himmel schwebte und in der die Zeit anders lief. Der Größte unter ihnen, Placidusax, war einst selbst Eldenfürst, der Gemahl eines Gottes, der lange vor der Goldenen Ordnung regierte. Dieser Gott verschwand spurlos, und Placidusax wartet bis heute in den Ruinen seiner Stadt auf eine Rückkehr, die niemals kommen wird.

Im Norden, jenseits der Berge, lebten die Riesen. Sie verehrten einen Feuergott, dessen Flamme älter war als der Erdbaum und die einzige Substanz, die ihn verbrennen konnte. Diese Flamme wurde später zur größten Gefahr für die neue Ordnung, weshalb man so rücksichtslos mit ihr verfuhr.

Unter der Erde lagen die Ewigen Städte, Nokron und Nokstella, Heimat eines Volkes namens Nox. Sie hatten sich einst gegen den Höheren Willen gestellt und wurden dafür in die Tiefe verbannt, wohin kein Licht reicht. Dort bauten sie sich einen künstlichen Himmel, hielten an ihrer eigenen Vorstellung von Ordnung fest und arbeiteten an etwas Verbotenem: Sie versuchten, aus silbernen Tränen einen Gott zu schmieden, einen falschen Mond, der ein Zeitalter der Sterne einläuten sollte. Es misslang. Was aus der Tiefe kam, war Astel, ein Wesen von jenseits der Sterne, das Nokstella zerstörte, und seine Nachkommen lauern bis heute unter den Zwischenlanden.

Dann war da noch die dämmeräugige Königin, eine Gestalt, über die das Spiel fast nichts preisgibt. Sie besaß den bestimmten Tod, den echten und endgültigen, und sie befehligte ein Heer schwarzer Klingen. Ihre Ordnung wurde gebrochen, ihre Ritter niedergemacht, und der Tod selbst wurde eingesammelt und weggeschlossen.

Über allem saß eine Wesenheit namens Höherer Wille: ein äußerer Gott, unfassbar fern, der seinen Willen in die Welt sendet, aber niemals selbst in ihr erscheint. Irgendwann warf er einen goldenen Funken in die Zwischenlande, aus dem der Erdbaum wuchs, und in dessen Mitte den Elden Ring, etwas, das einer Gesetzestafel näherkommt als einer Krone. Der Ring bestimmt, was in dieser Welt möglich ist und was nicht. Wer ihn hält, hält die Regeln.

Es fehlte nur ein Gefäß.

Teil 2: Marika

Marika wurde nicht als Göttin geboren. Sie stammte von den Numen, einem Volk, das nicht aus den Zwischenlanden kam, sondern von anderswo. Ihre Herkunft wird im Hauptspiel nur angedeutet und erst in der Erweiterung wirklich aufgelöst.

Sicher ist, dass sie zum Gefäß des Elden Ring wurde. Der Höhere Wille wählte sie, und mit dieser Wahl wurde sie zu Königin Marika der Ewigen, Göttin der Goldenen Ordnung. Der Erdbaum wurde ihr Zeichen, ihre Ordnung breitete sich über die Zwischenlande aus, und mit ihr kam die Gnade: jenes goldene Licht, das die Gläubigen leitet und den Tod aufhebt. Unter Marikas Ordnung starb niemand endgültig. Die Toten kehrten in den Erdbaum zurück, ihre Seelen wurden wiederverwertet, und der Kreis schloss sich.

Als Gemahl und Vollstrecker nahm sie sich Godfrey, einen Kriegerfürsten aus der Steppe, der ursprünglich Hoarah Loux hieß und mit bloßen Händen kämpfte. Er wurde der erste Eldenfürst, und was folgte, war kein friedliches Zeitalter der Erleuchtung, sondern eine Reihe von Vernichtungskriegen.

Godfrey und seine Befleckten führten Krieg gegen die Sturmfürsten im Westen, deren letzte Feste Stormveil war. Sie führten Krieg gegen die uralten Drachen, bis Farum Azula in Trümmern lag und Drachen zu Reliquien geworden waren. Sie führten Krieg gegen die Riesen im Norden, und dort geschah das Schlimmste: Die Riesen wurden nicht besiegt, sondern ausgelöscht, alle bis auf einen. Der letzte Feuerriese wurde an die Flamme gekettet und dazu verurteilt, sie für immer zu bewachen, unfähig zu sterben. Er sitzt bis heute dort.

Auch die dämmeräugige Königin und ihre schwarzen Klingen wurden gebrochen. Der bestimmte Tod wurde aus dem Elden Ring herausgeschnitten und in Malikeths schwarzer Klinge versiegelt, bewacht von Marikas eigener Schattenbestie. Damit war der endgültige Tod aus der Welt entfernt.

Als es nichts mehr zu erobern gab, wurde Godfrey überflüssig. Die Gnade verließ seine Augen, und Marika verbannte ihn zusammen mit allen Befleckten aus den Zwischenlanden. Sie schickte genau jene Leute fort, die ihre Ordnung überhaupt erst errichtet hatten. Ohne Gnade in den Augen gehörten sie nicht mehr zur Goldenen Ordnung.

Genau dort setzt das Spiel ein: bei einem dieser Verbannten.

Teil 3: Radagon, und wer eigentlich wer ist

Nach Godfrey nahm sich Marika einen zweiten Gemahl: Radagon, einen rothaarigen Kriegerpriester, der zuvor an ihrer Seite gekämpft hatte.

Radagon hatte davor ein eigenes Leben. Er hatte den Krieg gegen die Akademie von Raya Lucaria geführt, gegen ihre Zauberer und deren Königin Rennala. Dieser Krieg endete nicht mit einem Sieg, sondern mit einer Hochzeit. Radagon und Rennala hatten drei Kinder:

  • Radahn, der größte Krieger der Zwischenlande, der Gravitationsmagie erlernte, damit sein geliebtes, zu kleines Pferd Leonard ihn weiterhin tragen konnte
  • Rykard, der später den Weg der götterfressenden Schlange einschlug und mit einer riesigen Schlange verschmolz
  • Ranni, eine Hexe, geboren als Empyreerin, also eine Anwärterin auf Marikas Nachfolge

Dann rief Marika Radagon zu sich. Er verließ Rennala, ging nach Leyndell und wurde Marikas Gemahl. Rennala hat sich nie davon erholt. Sie sitzt bis heute in der Akademie und wiegt eine Puppe in den Armen, als wäre sie ein Kind.

Und hier steht die Enthüllung, auf die das ganze Spiel hinarbeitet: Radagon ist Marika. Sie sind eine Person in zwei Körpern, und keiner von beiden weiß das zwangsläufig zu jeder Zeit. Am Fuß des Erdbaums, am Ende des Spiels, kämpft man gegen Radagon, und als er fällt, steht Marikas Körper an derselben Stelle. Was das für die Ehe mit Rennala bedeutet, für ihre Kinder, für Marikas eigene Beweggründe, lässt das Spiel bewusst offen. Die geläufigste Lesart lautet, dass Marika sich selbst einen Gemahl erschuf, weil eine Gottheit einen Fürsten braucht, und dass sie ihre eigene Ordnung von innen heraus untergraben wollte.

Marikas Kinder sind der Kern der ganzen Tragödie:

  • Godwin der Goldene, der Erstgeborene, von allen geliebt, Freund der Drachen, der Musterprinz der Goldenen Ordnung
  • Morgott und Mohg, Zwillinge, geboren als Omen. Sie trugen Hörner, das Zeichen des Schmelztiegels, wurden als unrein gebrandmarkt und in die Kanalisation unter Leyndell geworfen. Zwei Prinzen, aufgewachsen im Abfall ihrer eigenen Stadt
  • Miquella und Malenia, Zwillinge und beide Empyreer, beide von Geburt an verflucht. Miquella blieb für immer ein Kind und konnte nicht wachsen. Malenia trug die Scharlachfäule von klein auf in sich

Morgott entschied sich dafür, die Ordnung zu verteidigen, die ihn verstoßen hatte. Er wurde der letzte Wächter von Leyndell und nannte sich noch im Sterben unwürdig. Mohg ging den anderen Weg: Er nahm sein Omen-Wesen an, begegnete tief unter der Erde einer äußeren Gottheit namens formlose Mutter, und sie entzündete sein verfluchtes Blut zur Blutflamme.

Miquella konnte nicht wachsen, also arbeitete er stattdessen. Er versuchte alles, um seine Schwester zu heilen, versuchte die Goldene Ordnung zu reformieren und zog schließlich einen eigenen Baum groß, den Haligbaum, als Zuflucht für alle, die die Ordnung ausgestoßen hatte. Malenia kämpfte für ihn, mit Prothesen anstelle eines Arms und eines Beins, und hielt die Fäule zurück, so lange sie konnte.

Teil 4: Die Nacht der schwarzen Messer

Ranni wollte ihr Schicksal nicht.

Als Empyreerin war sie Anwärterin auf Marikas Nachfolge, und das hätte bedeutet, zum Gefäß des Höheren Willens zu werden, zum Werkzeug einer fremden Macht. Sie lehnte ab, und da man bei einem Gott nicht einfach kündigt, arrangierte sie ihren eigenen Mord.

Dafür brauchte sie den echten Tod, jenen, den Marika weggeschlossen hatte. Ihre Verbündeten stahlen die Rune des Todes aus Malikeths schwarzer Klinge und schmiedeten daraus schwarze Messer. In jener Nacht kamen diese Messer zum Einsatz, und das Ziel war Godwin.

Godwin starb den Tod der Seele. Sein Körper starb nicht mit. Das ist der zentrale Fehler, aus dem alles Weitere folgt: eine tote Seele in einem lebenden Körper, tief in die Wurzeln unter dem Erdbaum hineingewachsen, von wo aus sich die Todeswurzel durch die Wurzeln der ganzen Welt ausbreitete. Godwin ist der Fürst des Todes, ohne es je gewollt zu haben, und die Kreaturen, die in der Tiefe an ihm zerren, sind die Toten, die nicht mehr sauber sterben können.

Ranni tat im selben Moment das Gegenteil: Sie tötete ihren eigenen Körper und ließ ihre Seele zurück. Seither existiert sie als Geist in einer Puppe, außerhalb der Reichweite des Höheren Willens.

Für Marika war der Tod ihres Erstgeborenen der Bruch. Es war das erste Mal, dass unter ihrer Ordnung jemand wirklich gestorben war, und es war ihr eigener Sohn.

Teil 5: Die Zersplitterung

Marika zerbrach den Elden Ring.

Warum, sagt sie nie. Die naheliegendste Lesart ist Trauer um Godwin und Wut auf einen Gott, der sie zum Gefäß gemacht und ihre Kinder als Preis genommen hatte. Sie zerstörte das Fundament ihrer eigenen Herrschaft.

Radagon, ihre andere Hälfte, versuchte den Ring wieder zusammenzufügen. Er scheiterte. Am Ende wurde Marika im Stamm des Erdbaums eingeschlossen, festgenagelt, sichtbar für jeden, der hinsieht, und unerreichbar für alle.

Die Bruchstücke des Rings, die großen Runen, verteilten sich unter ihren Nachkommen, und die Halbgötter begannen einen Krieg um die Vorherrschaft, der die Zwischenlande auseinandernahm:

Radahn und Malenia trafen in Caelid aufeinander. Es war die größte Schlacht der Zersplitterung, und keiner von beiden gewann. Malenia entfesselte schließlich die Scharlachfäule, um Radahn aufzuhalten, und vergiftete dabei eine ganze Region. Caelid verfaulte. Radahn überlebte, aber die Fäule zerfraß seinen Verstand. Was von ihm blieb, ist ein Titan, der über ein Schlachtfeld streift, Leichen frisst und nur noch aus Muskelgedächtnis kämpft. Seine Sterne stehen noch immer still, festgehalten von seiner Gravitationsmagie.

Rykard stieg hinab ins Vulkanherrenhaus, verschlang eine götterfressende Schlange und wurde zu ihr. Sein Plan war radikaler als der aller anderen: Er wollte jeden Gott fressen, den Höheren Willen eingeschlossen.

Mohg entführte Miquella. Er wollte ihn zur Gottheit erheben und sein Gemahl werden und dabei seine eigene Dynastie gründen. Er schleppte ihn in seinen Palast unter Caelid, in einen See aus Blut.

Morgott hielt Leyndell. Er ließ keinen Befleckten in die Nähe des Erdbaums, tötete jeden, der es versuchte, und wartete auf jemanden Würdigen, während er glaubte, dass es einen solchen nicht gibt.

Godrick war der Schwächste von ihnen, ein entfernter Nachfahre Godfreys, der Stormveil hielt und sich die Gliedmaßen anderer Leute annähte, um eine Größe vorzutäuschen, die er nie besaß.

Während all das geschah, entschieden die zwei Finger, die Gesandten des Höheren Willens, dass es Zeit sei, die Verbannten zurückzurufen. Die Gnade kehrte in die Augen der Befleckten zurück, und sie kamen übers Meer nach Hause, um einen neuen Eldenfürsten hervorzubringen.

Teil 6: Der Befleckte

Hier betritt der Spieler die Bühne.

Der Befleckte ist einer von vielen, namenlos und unauffällig, und die erste Figur, die ihn ernst nimmt, ist Melina, ein Mädchen, das behauptet, im Erdbaum geboren worden zu sein, und ihm anbietet, seine Fingermaid zu sein. Sie führt ihn, verwandelt Runen in Stufen und nennt irgendwann einen Preis, den sie vorher nicht erwähnt hat.

Der offizielle Weg lautet: große Runen sammeln, Leyndell betreten, den Erdbaum erreichen, Eldenfürst werden. Der Erdbaum ist allerdings versiegelt, und dieses Siegel zu brechen bedeutet, ihn zu verbrennen. Dafür braucht es die Flamme der Riesen, genau jenes Feuer, das Marika beinahe ausgerottet hat. Das ist die stille Ironie im Herzen des Spiels: Der einzige Weg zurück zu ihr führt über genau die Waffe, die sie zu vernichten versuchte.

Melina opfert sich in diesem Feuer, sofern man sie lässt.

Am Ende, hinter dem verbrannten Baum, wartet Radagon, und hinter Radagon die Eldenbestie. Sie ist der Elden Ring selbst, ein Geschöpf aus dem Kosmos, das den Ring in seinem Körper trägt, und sie zeigt, was die Ordnung wirklich ist: kein Gesetz und keine Wahrheit, sondern ein Gegenstand, der von außen in diese Welt gesetzt wurde und den niemand, der hier lebt, jemals gewählt hat.

Was danach kommt, entscheidet der Spieler:

  • Zeitalter der Zersplitterung: Eldenfürst werden und die Ordnung wieder zusammenflicken. Der Standardweg
  • Zeitalter der Ordnung: mit Goldmaske den Fehler im Fundament der Ordnung erkennen und ihn richtig beheben, statt nur die Trümmer aufzuräumen
  • Zeitalter der Sterne: Ranni folgen, die die Ordnung weit fort von dieser Welt trägt, damit Menschen ohne einen Gott im Rücken leben können. Kalt, dunkel, frei
  • Zeitalter der Dämmergeborenen: mit Fia den Tod in den Kreislauf zurückholen und die Todeswurzel zum Teil der Ordnung machen
  • Segen der Verzweiflung: mit dem Kotfresser alle zu Omen machen. Der Fluch erreicht jeden, damit niemand mehr dafür ausgestoßen werden kann
  • Fürst der Wahnsinnsflamme: die drei Finger nehmen und alles verbrennen. Kein neues Zeitalter, sondern das Ende der Trennung an sich

Keines dieser Enden ist als das richtige gekennzeichnet. Das Spiel fällt kein Urteil.

Teil 7: Die äußeren Götter

Ein Punkt geht oft unter, weil er nie ausgesprochen wird: Der Höhere Wille ist nicht der einzige Gott, und er ist nicht der gutartige.

Die Zwischenlande sind ein Schlachtfeld zwischen mehreren äußeren Mächten, die alle von jenseits hineingreifen und alle einen Wirt innerhalb der Welt suchen:

  • Der Höhere Wille, dessen Werkzeug der Elden Ring ist und dessen Stimme die zwei Finger sind
  • Der Gott der Scharlachfäule, der in Malenia sitzt und dessen Blüte alles in Verwesung verwandelt
  • Die formlose Mutter, die Mohgs Blut entzündete
  • Die Wahnsinnsflamme, die durch die drei Finger spricht und deren Ziel es ist, alles Getrennte wieder zu einem einzigen Ding einzuschmelzen
  • Der dunkle Mond, an den Ranni sich bindet, um eine eigene Ordnung zu errichten
  • Die götterfressende Schlange, die Rykard antreibt

Der Höhere Wille hat zudem ein Problem: Er antwortet nicht mehr. Die zwei Finger haben seit sehr langer Zeit keine Anweisung mehr erhalten und erteilen trotzdem weiter Befehle. Ob sie überhaupt noch etwas empfangen oder nur wiederholen, woran sie sich erinnern, bleibt offen. Genau dieser Verdacht ist es, der Ranni antreibt.

Teil 8: Shadow of the Erdtree

Hier beginnt die Erweiterung.

Nach Mohgs Niederlage zeigt sich an seinem Arm ein Kokon, der Miquellas Körper enthält. Er ist leer. Miquella hat sich längst selbst herausgezogen und ist in das Schattenland gegangen, ein Reich neben den Zwischenlanden, das vor der Welt verborgen wurde.

Die Erweiterung beantwortet zwei Fragen: wer Marika war, bevor sie eine Göttin wurde, und was Miquella wirklich ist.

Marikas Herkunft. Im Schattenland lebten die Gehörnten, ein Volk, das den Schmelztiegel verehrte und Türme baute, in denen Menschen zu etwas Göttlichem verarbeitet werden sollten. Das Rohmaterial dafür waren die Schamanen, ein Volk, dessen Fleisch mit anderem Fleisch verschmelzen konnte. Marika war eine Schamanin. Ihr Dorf wurde zerstört und eingeschmolzen, und aus dieser Vernichtung ging sie als Göttin hervor.

Wie sich das mit der Numen-Herkunft aus Teil 2 verträgt, ist ungeklärt. Die Schamanen könnten das sein, was die Numen einmal waren, die beiden Völker könnten lediglich verwandt sein, oder Marika ist schlicht beides. Das Spiel bringt die beiden Namen nie in einem Satz zusammen.

Dann nahm sie Rache. Sie ließ das Schattenland von ihrem Sohn Messmer verwüsten, einem Feldherrn mit einer Schlange im Auge, dem sie eine Flamme gab, die sogar den Schmelztiegel verbrennen konnte. Die Gehörnten wurden ausgerottet, ihre Türme geschleift, und danach versiegelte Marika das gesamte Land hinter einem Schleier, damit niemand sehen konnte, worauf ihre Ordnung gebaut war. Sie löschte ihre eigene Herkunft aus.

Miquella. Er besaß eine Fähigkeit, die im Hauptspiel nur angedeutet wird: Er kann Menschen bezaubern. Wer ihm begegnet, liebt ihn, ob er will oder nicht. Auf seinem Weg zur Gottheit legt er nacheinander Teile von sich selbst an Kreuzen ab, die über das Schattenland verstreut sind: seine Liebe, sein Fleisch, seine Furcht, seinen Zweifel und schließlich jede verbliebene Spur der Person, die Miquella einmal war. Übrig bleibt ein reiner Gott, und reine Götter sind in diesem Spiel nie ein gutes Zeichen.

Als Gemahl wählt er Radahn, mit der Begründung, Radahn habe ihm in ihrer Jugend einmal versprochen, sein Fürst zu werden. Mohgs Entführung war kein Übergriff auf Miquella, sondern etwas, das Miquella selbst eingefädelt hat: Mohg stand die ganze Zeit unter seinem Bann und diente nur dazu, ihn in das Schattenland zu tragen. Mohgs Tod war Teil des Plans. Radahns Seele wird in Mohgs Körper gesetzt, und die letzte Konfrontation gilt beiden zugleich. Wessen Körper dort tatsächlich steht, ist der meistdiskutierte Punkt der Erweiterung, und das Spiel entscheidet ihn nicht.

Miquellas Zeitalter wäre ein Zeitalter des Mitgefühls, in dem alle einander lieben. Sie hätten nur nichts dazu zu sagen.

Was offen bleibt

Einiges bleibt bewusst ungeklärt, und es lohnt sich, dem Drang zu widerstehen, es gewaltsam zu schließen:

  • Marikas Grund für die Zerschlagung des Elden Ring wird nie genannt
  • Was Melina tatsächlich ist, bleibt unklar. Sie könnte Marikas Tochter sein, sie könnte die Verkörperung des verbrannten Erdbaums sein, und sie hat ein versiegeltes Auge wie jene, die von der Wahnsinnsflamme berührt wurden
  • Ob der Höhere Wille noch existiert oder ob seine Diener einfach weitermachen, wird nie bestätigt
  • Ob Marika ihre Ordnung zu Fall bringen wollte oder an ihr zerbrochen ist, hängt vollständig davon ab, wie viel Absicht man ihr zugestehen möchte

Und als Fußnote: Der Mohg, gegen den man in der Kanalisation unter Leyndell kämpft, ist nicht dieselbe Begegnung wie die im Blutpalast. Das Stück, das während dieses Kampfes läuft, trägt den Titel „Omen Illusion“, was nahelegt, dass es sich um eine Projektion handelt, so wie Margit eine Projektion von Morgott war. Zugleich heißt das Modell in den Spieldateien „GreaterDemon“, was darauf hindeutet, dass es ursprünglich als gewöhnlicher Omen-Gegner gedacht war. Vermutlich stimmt beides gleichzeitig, was für dieses Spiel äußerst bezeichnend ist.

Die ganze Geschichte in fünf Sätzen

Ein ferner Gott warf einen Ring in eine Welt, die ihn nicht brauchte, und wählte als Gefäß eine Frau, deren Volk selbst einst für die Götter eines älteren Zeitalters verarbeitet worden war. Sie errichtete eine Ordnung, die den Tod abschaffte, alles Widerspenstige verstieß und ihre eigenen Kinder zu Ausgestoßenen machte. Als eines dieser Kinder den ersten wirklichen Tod erlitt, zerbrach sie das Fundament, auf dem sie stand. Ihre Nachkommen zerfleischten einander um die Bruchstücke, und die Welt erstarrte in einem Zustand, in dem niemand richtig leben und niemand richtig sterben kann. Dann wurden die Verbannten heimgerufen, damit einer von ihnen entscheidet, was als Nächstes kommt.